Warum der Vogel Federn lässt

Es geschieht auf unterschiedliche Art, und manchmal sieht es unschön aus, aber wir tun es alle: Haare, Fell oder Federkleid wechseln.

Von Elisabeth Schlumpf, Voliere Gesellschaft Zürich / Ausgabe Pro Tier 2/2019

Wir verwenden den Ausdruck ziemlich häufig, wenn wir eine Veränderung oder Erneuerung bei Menschen feststellen. «Er/sie hat sich gemausert.»

Als Mauser, von lateinisch mutare, «ändern, tauschen», bezeichnet man den regelmässigen Abwurf und das Neuwachstum der Vogelfedern. Das alte Gefieder wird gegen ein neues ausgetauscht. So wie sich bei Katzen und Hunden – aber auch bei uns Menschen – das Fell dauernd erneuert oder der Jahreszeit anpasst, geschieht das auch bei Vögeln. Ist das Federkleid nicht intakt, kann sie das beim Fliegen sehr behindern und somit in grosse Gefahr bringen, aber auch für die Paarungszeit ist das Gefieder von höchster Wichtigkeit!

Federn – zu schön, um nur damit zu fliegen

Bei vielen Singvogelarten tragen Männchen zur Brautschau ein auffallend schönes Prachtkleid. Diese Mauser findet oft schon im Winterquartier statt. Dadurch wird ihre Gesundheit geprüft, und wenn ein Männchen dann auch noch schöne Nester und schönen Gesang präsentieren kann, ist es ganz oben auf der Liste der Weibchen. Nur die besten Gene wollen sie an ihren Nachwuchs weitergeben. Für die Weibchen ist das Tarngefieder besonders in der Brutzeit wichtig! Da sie bei der Jungenaufzucht viele Ressourcen und Energie verbrauchen, wechseln die Vögel meist Ende Sommer ihre Federn. Der Flug in den Süden steht bevor, und dann brauchen sie eine optimale Flugfähigkeit. Abgenutzten Federn fehlt ausserdem die wichtige Fähigkeit, zu isolieren.

Meist wird das Gefieder nach und nach erneuert. Oft sieht man, zum Beispiel bei Möwen, Lücken in den Schwungfedern, wodurch der Auftrieb aber nicht gemindert wird. Bei vielen Wasservögeln sieht die Mauserstrategie aber anders aus. Da es schwere Vögel sind, würde schon das Fehlen einzelner Schwungfedern sie am effizienten Fliegen hindern. Also werden alle Schwungfedern auf einmal erneuert. Dadurch sind die Vögel während mehrerer Wochen flugunfähig und besonders störungsempfindlich. In dieser Zeit erreichen uns in der Voliere viele besorgte Anrufe.

Wir alle haben aber auch schon von der Schockmauser gehört. Dabei handelt es sich um einen Federabwurf, der durch Stress ausgelöst wird und vermutlich einen Schutzreflex darstellt. Er dient der Flucht vor einem Angreifer, der dann nur Federn im Maul behält.

Bei Jungvögeln, die teils nackt oder mit einem wärmenden «Flaum» schlüpfen, wachsen die Federn mit dem Heranwachsen. Der Wechsel vom Jugendkleid zum Alterskleid geschieht dann durch eine Teilmauser. Bei der Mauser handelt es sich um einen ganz natürlichen Prozess, der von Hormonen gesteuert wird. Dabei spielen aber externe Faktoren wie Nahrungssituation, Temperatur und Licht eine grosse Rolle. Dem Vogel geht es dabei, abgesehen davon, dass die Mauser sehr kräftezehrend ist, gut! ■