Partnersuche: 17 Jahre, grün mit gelbem Scheitel, laut, sucht…
Alle Versuche der Partnervermittlung schlugen fehl – bis sich herausstellte, dass „Joshi“ kein Männchen ist, sondern ein Weibchen!

Text: Elisabeth Schlumpf, Voliere Gesellschaft Zürich / Ausgabe Pro Tier 4/18

Lange hatte ihr Besitzer angenommen, dass die hübsche Papageiendame ein „Er“ ist. Daher wurde bei der Suche nach einem Partner ein weiblicher gesucht. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen und dem Legen eines ersten Eis allerdings wurde klar: „Er“ ist eine „Sie“!

Ein möglicher Partner für die hübsche Amazonen-Lady "Joshi"

Ein möglicher Partner für die hübsche Amazonen-Lady „Joshi“

"Joshi" - auf Partnersuche...

„Joshi“ – auf Partnersuche…

„Joshi“, so heisst die hübsche Amazonen-Lady, ist seit einigen Jahren immer wieder Feriengast bei uns.

Diese Papageienart, die Gelbscheitelamazone, ist ursprünglich in Peru, den Guayana-Staaten, Trinidad, Venezuela und Kolumbien beheimatet.

Die ersten Belege für die Papageienhaltung reichen bis in die römische Herrschaft zurück.
Aber auch aus Übersee kamen hin und wieder Papageien nach Europa, sie waren allerdings dem Adel vorbehalten. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm der Exotenhandel dann explosionsartig zu.

 

Wegen der damals rasanten Dezimierung der Tier- und Pflanzenwelt, teilweise bis zur Ausrottung, schlossen sich einige Staaten zusammen und vereinbarten das Artenschutzabkommen.

Dieses bis heute wichtigste Naturschutzabkommen wurde im Jahr 1973 vertraglich festgelegt und bis heute sind 96 Staaten beigetreten. Die Mitgliedsstaaten wurden aufgefordert, den Fang wildlebender Tiere zu reduzieren und die Nachzuchtversuche mit den schon in Gefangenschaft lebenden Tieren zu fördern. Denn durch die Einfuhr von Exoten wurden bei uns für Mensch und Tier bedrohliche Krankheiten sowie invasive Tier- und Pflanzenarten eingeschleppt. Die daraus resultierenden Probleme für unsere heimische Flora und Fauna sind teilweise bis heute noch nicht gelöst.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen verringert die Bedrohung gefährdeter Arten durch Kontrolle des internationalen Handels mit Exemplaren und daraus gefertigten Produkten.
Von der Gelbscheitelamazone sind wegen der Zerstörung ihrer Heimat sowie Wildfang nur noch ca. 7000 Exemplare in freier Wildbahn zu finden.
Doch „Joshi“ weiss von alledem nichts. Aus Langeweile und Einsamkeit plappert sie einfach allein vor sich hin, denn dank ihrer Intelligenz hat sie sich angewöhnt, allerlei Geräusche zu imitieren. Leider mag sie Frauen nicht und würde mich am liebsten zerfleischen, wenn ich sie füttere. Viele Versuche, eine „Partnerin“ für sie zu finden, schlugen bereits fehl, und ihr Besitzer wurde allmählich immer mutloser.

Eines Morgens erreichte mich ein Anruf mit der dringlichen Bitte, eine Amazone aufzunehmen, deren Besitzer verstorben war. Schon am nächsten Morgen stand der Neffe des Verstorbenen  vor unserer Tür und hielt mir überraschend ein Gelbnackenamazonen-Männchen hin. Da hüpfte mein Herz, denn im Hinterkopf hatte ich natürlich sofort „Joshi“. Schnell griff ich zum Telefon und informierte ihren Besitzer.

Nun sitzen beide Amazonen bei uns, nebeneinander, aber noch durch ein sicheres Gitter getrennt, und unterhalten sich miteinander. Manchmal lautstark, manchmal ganz leise plappernd, als würden sie sich einiges erzählen, das wir nicht hören dürfen. Beide haben auch schon vieles erlebt, vor allem mit uns Menschen!

Ich bin sehr guter Hoffnung, dass sie sich mögen. Nächste Woche geht`s nach Hause, und ich bin sehr gespannt! Bitte drückt mit uns die Daumen für diese Partnervermittlung!