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Wasservögel im herbstlichen (winterlichen) Seebecken
Alle meine Entchen ...
Wer kennt es nicht, das Märchen vom hässlichen kleinen Entlein, das sich zum stolzen Schwan mausert? Vor allem Schwäne, Enten und Gänse, aber auch Taucher und Kormorane faszinieren die Menschen seit jeher. Am Seeufer, in unmittelbarer Nähe der Voliere, bietet sich in den Herbst- und Wintermonaten Gelegenheit, eine Vielzahl von Wasservögeln kennen zu lernen und zu beobachten.
Einige dieser gefiederten Badegäste sind Standvögel, das heisst, sie sind das ganze Jahr über bei uns heimisch; zu ihnen gehören allen voran die Stockente und der Höckerschwan. Bei den Zugvögeln unterscheiden wir zwischen Durchzüglern oder Wintergästen. Zwischen September und November rasten zahlreiche nordische Durchzügler auf ihrem Weg in die Mittelmeerländer in unserer Gegend und ziehen danach ausgeruht weiter. Die eigentlichen Wintergäste treffen im Oktober und November ein und beginnen im Februar bereits wieder in ihre Brutgebiete im Norden abzuwandern; am meisten nordische Wasservögel sind gegen Ende März unterwegs. Seltener zu beobachten sind sogenannte Irrgäste, die sich verflogen haben, oder Gefangenschaftsflüchtlinge, zu denen die Mandarinente und mindestens teilweise die Rostgans zu zählen sind.
Herkunft unserer Wintergäste
Die Markierung von Vögeln mit Metallringen trägt dazu bei, dass Brutgebiete und Zugwege unserer Wintergäste kein Geheimnis mehr sind. Dank Rückmeldungen der Ringnummern an die Vogelwarte Sempach weiss man heute, dass bei uns Reiherenten überwintern, die in Osteuropa, Finnland, Skandinavien und Westsibirien brüten. Die rund 800 Gramm schweren Vögel vermögen erstaunliche Distanzen zurückzulegen: 8100 Kilometer flog eine in der Schweiz beringte Reiherente in ihr Brutgebiet in Ostsibirien zurück! Dies ist der längste Zugweg einer in der Schweiz beringten Ente, der bis heute bekannt ist.
Auf dem Zug legen Wasservögel etwa 80 Kilometer pro Stunde zurück, fliegen jedoch selten mehr als einige hundert Kilometer an einem Stück. Fliegen kostet den Vogel viel Energie, und damit beispielsweise eine Reiherente eine Stunde lang fliegen kann, muss sie zuerst fast 300 Gramm Muscheln fressen, verdauen und als Fettreserven im Körper ablagern. Wenn die Fettpolster zur Neige gehen, unterbrechen Zugvögel den Flug, um die Körperreserven für den Weiterflug zu erneuern. Dazu brauchen sie nahrungsreiche und störungsarme Rastplätze, die ihnen als lebenswichtige «Tankstellen» entlang der Zugroute dienen.
Anpassungen an das Leben im und am Wasser
Körperbau und Verhalten der Wasservögel sind dem Leben auf dem Wasser angepasst. Wasservögel brauchen ihre Füsse zum Tauchen und Schwimmen. Die Zehen der Haubentaucher und Blässhühner sind durch Hautlappen verbreitert, diejenigen der Schwäne, Enten und Säger durch Schwimmhäute. Alle Wasservögel tragen ein dichtes Federkleid, das Kälte und Nässe abhält. Bauch und Brust, die im Wasser liegen, werden durch Daunen zusätzlich geschützt. Die Wasser abstossende Wirkung der Federn beruht auf ihrer Struktur. Deshalb widmen sich Enten stundenlang der eingehenden Pflege und Reinigung ihres Gefieders. Sie streichen jede Feder mit dem Schnabel sorgfältig aus, um den kleinsten Schmutz zu entfernen. Wasservögel fetten ihr Gefieder regelmässig ein.
Trotz sorgfältiger Pflege nutzen sich die Federn ab; sie werden deshalb alljährlich ein- bis mehrmals erneuert. Beim Federwechsel, der Mauser, werfen Enten – im Gegensatz zu anderen Vögeln – alle Schwungfedern gleichzeitig ab und sind einen Monat lang flugunfähig. Vor dieser Schwingenmauser im Sommer ersetzen zum Beispiel die Stockenten-Erpel ihr farbenprächtiges Gefieder durch ein tarnendes Schlichtkleid und gleichen nun den Weibchen. Diese erneuern ihre Federn erst im Herbst, wenn ihre Jungen selbständig sind.
Körperform und Nahrungssuche
Wasservögel ernähren sich von Wasserpflanzen und Wassertieren: Plankton, Insekten, Schnecken, Muscheln, Krebse und Fische sowie Wasserpflanzen, deren Wurzelknollen, Triebe, Blätter und Samen. Wasservögel unterscheiden sich punkto Nahrung und Nahrungssuche; der Körperbau ist auf die jeweilige Lebensweise abgestimmt.
Taucher wie etwa der Haubentaucher leben ausschliesslich auf dem Wasser und können sich an Land kaum fortbewegen. Ihr Körper ist stromlinienförmig gebaut. Einzelne Taucher können bis in Tiefen von 70 Metern vordringen und zehn Minuten unter Wasser bleiben. Der Haubentaucher bringt es im Extremfall bis auf 40 Meter Tiefe. Tauchen benötigt viel Energie, deshalb taucht er meist nur an den ergiebigsten Stellen mit Fischen und bis sechs Meter.
Der Schnabel der Tauchenten – zu ihnen gehören Tafel-, Reiher-, Schell- und Eiderenten – ist kräftig, ihr Körper wirkt gedrungen und liegt tiefer im Wasser als derjenige der Schwimmenten. Deshalb müssen Tauchenten erst eine längere Strecke übers Wasser rennen, ehe sie auffliegen können. Tauchenten suchen ihre Nahrung ebenfalls unter Wasser. Die Tafelente bevorzugt Tiefen bis fünf Meter und bleibt bis 30 Sekunden unter der Oberfläche. Die Reiherente taucht rascher, und die kräftigeren Männchen vermögen länger und tiefer zu tauchen als die Weibchen. Wenn die flachen Ufer vereisen, können sie weiter draussen noch erfolgreich nach Nahrung suchen, während die Weibchen bereits abwandern müssen.

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Schwimmenten schwimmen hoch auf dem Wasser, ihr kurzer Schwanz ist gut sichtbar. Sie können steil vom Wasser auffliegen. Schwimmenten besitzen einen schlanken Schnabel und ernähren sich hauptsächlich vegetarisch. Sie leben von Wasserpflanzen, die sie an der Oberfläche oder in geringer Tiefe finden. Gründeln nennt man ihre Art der Nahrungssuche, bei der der Oberkörper kopfüber ins Wasser gekippt wird. Der langhalsige Höckerschwan kann auf diese Weise Pflanzen in über einem Meter Tiefe losreissen.
Einzelne Arten suchen auch das Ufer auf. Blesshuhn und Höckerschwan weiden auf ufernahen Wiesen oder Getreidefeldern, die Stockente sucht sogar weitab vom Wasser Nahrung. Die Stockente ist nicht auf eine bestimmte Nahrung spezialisiert und dank ihrer grossen Anpassungsfähigkeit weit verbreitet. Als einziger Wasservogel brütet sie in ganz Europa und ist die häufigste Entenart überhaupt: Rund neun Millionen Stockenten überwintern in Europa.
Wo viel Nahrung vorhanden ist, überwintern viele Wasservögel, und wenn sich das Angebot verbessert, steigt ihre Zahl. In den letzten Jahrzehnten hat eine kleine Muschel unsere Seen und Flüsse besiedelt und die Winterbestände der Tauchenten in die Höhe schnellen lassen. Die Wandermuschel, aus dem Raum um das Kaspische Meer stammend, ist durch die Schifffahrt verschleppt worden und wurde im Zürichsee erstmals 1969 festgestellt. In der Schweiz verzehren seither Reiher- und Tafelenten sowie Blesshühner in jedem Winterhalbjahr über 10'000 Tonnen Wandermuscheln. Eine Reiherente frisst ca. 3400 Gramm pro Tag (mit Schale 850 Gramm), eine Tafelente bringt es gar auf 4000.
Ungeliebte Fischfresser
Intensive Bejagung bis ins 20. Jahrhundert und die Verfolgung durch Fischer haben die Bestände des Graureihers soweit dezimiert, dass er in unserem Land 1925 unter Schutz gestellt wurde. Heute ist er wieder recht häufig und kann bei der Nahrungssuche an Gewässern oder auf Wiesen beobachtet werden. 400 bis 800 Gramm Nahrung nimmt ein Graureiher täglich zu sich, und er schnappt sich, was am leichtesten zu erwischen ist: Kranke oder geschwächte Fische, aber auch Mäuse, Insektenlarven, Maulwurfsgrillen und Bisamratten. Damit erweist er sich auch als Nützling und als wichtiges Glied seiner Lebensgemeinschaft.
In Fischerkreisen noch unbeliebter ist der Kormoran. Als Fischfresser während Jahrhunderten verfolgt, war er noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in unserem Land selten. Von anfänglich einem Dutzend stieg die Zahl bis Mitte der sechziger Jahre auf 80 bis 120. Dass heute zahlreiche Kormorane an Schweizer Gewässern überwintern, hängt mit der Entwicklung des mitteleuropäischen Brutbestandes zusammen. Seit den sechziger Jahren ist der Kormoran in den meisten europäischen Ländern geschützt und seit den achtziger Jahren ist sowohl der europäische Brutbestand wie auch die Zahl unserer Wintergäste stark angewachsen. Der Höhepunkt scheint allerdings überschritten: Im Jahr 1992 überwinterten in der Schweiz 8415 Kormorane. Danach ging der Winterbestand zurück und pendelte sich bei 5000 bis 6000 Individuen ein. 2001 brüteten Kormorane erstmals in der Schweiz: Laut Bericht der Vogelwarte Sempach zogen im Nauturschutzgebiet Fanel am Neuenburgersee zwei Paare fünf Junge auf. Im Sommer 2002 brüteten dort sieben Paare.
Ob die Kormorane die Fischbestände unserer Seen und Flüsse tatsächlich bedrohen, ist bis heute eine Streitfrage zwischen Naturschützern und Fischereiwirtschaft. Um seinen Tagesbedarf von rund 500 Gramm zu decken, fängt jeder Kormoran während des ganzen Winters etwa 80 bis 90 Kilogramm Fische. 90 Prozent der Kormorane fischen auf Seen und Stauseen. Auf diesen Gewässern machen Weissfische mehr als drei Viertel ihrer Nahrung aus. Weissfische sind für die Berufsfischer von geringer Bedeutung; Kormorane und Berufsfischer sind also nicht auf die gleichen Fischarten angewiesen. Anders sieht die Sache an Fliessgewässern aus. Auf Rhein, Aare und Linthkanal vertilgen die Kormoran zu 70 Prozent Äschen und Forellen.
Der Dritte im Bunde der ungeliebten Fischfresser ist der Gänsesäger. Ein ausgewachsenes Individuum konsumiert täglich 250 bis 400 Gramm maximal 15 Zentimeter lange Fische. Obwohl er ein guter Unterwasserjäger ist, geht man heute davon aus, dass der Gänsesäger nur lokal Einfluss auf die Fischfauna hat, etwa dort, wo die Vögel brüten. Im Übrigen verzehrt er vorwiegend Weiss- und nur wenig Edelfische und verschmäht auch Krebstiere nicht.
Graureiher, Kormoran und Gänsesäger sind für den Zustand unserer Gewässer und die Gefährdung von Fischarten nicht verantwortlich. Die Gefahren für die einheimische Fischfauna lauern anderswo: Durch die Umwandlung von ehemals frei fliessenden Flüssen in zahlreiche Staustufen (zum Beispiel Aare, Rhein) sind flach überströmte Uferbereiche grösstenteils verschwunden. Darüber hinaus berauben hart verbaute Ufer die Fische ihrer Laichplätze und Versteckmöglichkeiten. Ein Übriges tun in Kläranlagen nicht fassbare synthetische Substanzen sowie die thermische Belastung (durch Einleitung von Kühlwasser aus thermischen Kraftwerken oder Industriebetrieben steigt die Wassertemperatur).
Erste Schritte zur Wiedergutmachung sind getan: Fischereiorganisationen, Behörden, Natur- und Vogelschutz sind bemüht, mit der Renaturierung von Flussabschnitten (zum Beispiel an Rhein und Thur) wieder Lebensräume für Fische, Vögel und andere gefährdete Tierarten zu schaffen.

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