|
Nistkästen und ihre Bewohner
Nisthilfen sind für Höhlenbewohner gedacht, die in aufgeräumten Grünananlagen und Wäldern kaum mehr natürliche Brutgelegenheiten finden. Ein gleichwertiger Ersatz für die vielerorts verschwundenen morschen Bäume sind sie allerdings nicht, denn altes Holz bietet auch zahllosen Kleintieren Unterschlupf, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen.
Der grösste Teil der in Nisthöhlen brütenden Vögel ist in seinem Bestand nicht gefährdet. In der Forstwirtschaft leisten Nistkästen jedoch einen Beitrag zur Vorbeugung gegen Insektenschäden, der den Einsatz chemischer Spritzgifte verringern hilft. In Gärten und Parks stellen Nistkästen eine Bereicherung dar und bieten gute Möglichkeiten, Aussenstehende an die Natur heranzuführen.
Welche Nisthöhlen kaufen?
Konstruktionen aus Kunststoff oder Blech sind nicht atmungsaktiv und werden bei Hitze zu tödlichen Fallen. Styropor zerbröckelt leicht. Selbst grössere Vögel sind an der Aufnahme der dabei entstehenden Kugeln schon gestorben. Kitschig gestaltete «Vogelhäuschen» mit Strohdach usw. sind ebenfalls ungeeignet.
Mitunter werden Holzstämme (meist Birke) maschinell ausgehöhlt und zu Nistkästen verarbeitet. In der Regel lassen sie sich nur von unten öffnen; Eier und Junvögel fallen leicht heraus. Ist das Dach abnehmbar, kann man dagegen die Höhle schwer reinigen.
Holzkästen für Meisen, die ähnlich gebaut sind wie die in der nachfolgenden Bauanleitung vorgestellten, sollten zwischen den Wänden eine mindestens 13 x 13 cm grosse Bodenfläche aufweisen. Die Jungen haben sonst zu wenig Platz und gehen ein. Hervorragend bewährt haben sich Höhlen aus Holzbeton, da sie langlebig und abgesehen von ihrem hohen Gewicht sehr praxisgerecht sind. Man sollte darauf achten, dass die Vorderwand leicht abnehmbar und gegebenenfalls austauschbar ist.
Nistkästen selbst gebaut
Zum Herstellen von Nistkästen sind mindestens 2 cm dicke Bretter erforderlich. Normalerweise empfehlen sich Kiefern- oder Fichtenholz. Eiche, Weissbuche und Erle sind ebenfalls geeignet; Weichhölzer (zum Beispiel Weide oder Pappel) und Rotbuche haben eine nur sehr geringe Lebensdauer. Die Bretter müssen an der Innenseite rauh und ungehobelt sein, um den Jungvögeln das Verlassen der Höhle zu vereinfachen.
Ein vorzeitiges Verrotten lässt sich verhindern, wenn die zurecht gesägten Einzelteile vor dem Vernageln mit einem Holzschutzmittel imprägniert werden (biologisches Produkt, zum Beispiel Leinöl). Der fertige Kasten kann nochmals überstrichen werden; man darf ihn aber erst aufhängen, wenn er trocken und geruchsfrei ist.
Meisenhöhlen kann man in einer sowohl einfachen Ausführung herstellen als in einer etwas aufwendigeren. Letztere bietet durch ihren Vorbau weitgehenden Schutz vor Katzen, Mardern und Eichhörnchen, die mit ihren Pfoten nach Alt- und Jungvögeln im Kasten greifen.
Der Durchmesser des Einfluglochs beträgt für Blau-, Hauben-, Sumpf- und Tannenmeise 26 mm; für Kohlmeise, Kleiber, Trauer- und Halsbandschnäpper sowie Gartenrotschwanz und Wendehals dagegen 32 mm.
Halbhöhlen sind für die Nischenbrüter Bachstelze, Grauschnäpper und Hausrotschwanz gedacht. Gelegentlich werden sie von Rotkehlchen und Gartenrotschwanz bezogen.

|
Das Anbringen von Nistkästen
Nistkästen mit einem Einflugloch von 32 mm Durchmesser brauchen in abgeschlossenen Grundstücken in nur gut 2,5 Meter Höhe zu hängen. Ansonsten sollte der Abstand zum Boden als Schutz vor Störenfrieden mindestens 3 Meter betragen. Von den Kleinmeisen (sie benötigen Nistkästen mit Einflugloch-Durchmesser 26 mm), bevorzugen Blau- und Tannenmeise möglichst hoch angebrachte Kästen.
Nistkästen können an der Hauswand, am Balkon oder an einem Baumstamm befestigt werden. Als Schutz vor Regen müssen sie senkrecht oder leicht nach vorn geneigt hängen.
Das Einflugloch sollte ungefähr nach Südosten zeigen. Nach klaren, kühlen Nächten wird der Kasten dann von der Morgensonne gewärmt. Jedoch darf er nie den ganzen Tag der prallen Hitze ausgesetzt sein. Nistkästen kann man in jeder Jahreszeit aufhängen. Grundsätzlich sollte man sie nur dort anbieten, wo die Vögel auch genügend Nahrung für ihre Jungen finden (also nicht in Betonwüsten und totgespritzten Ziergärten; ausserdem nicht an stärker begangenen Wegen oder gar Strassen).
Wie viele Nistkästen aufhängen?
In Gärten und Grünanlagen kommt als Bewohner der 26-mm-Kästen meistens nur die Blaumeise in Betracht. Deshalb sollten hier etwa fünfmal mehr Nistgeräte mit 32 mm Einflugloch-Durchmesser angebracht werden. In Laubwäldern und offenen Kulturlandschaften sollte dieses Verhältnis etwa beibehalten werden, in Nadelwäldern dagegen ist der Anteil an Kleinmeisenkästen zu erhöhen. Grundsätzlich gilt: Wenn gut 50 Prozent der Kästen belegt sind, ist ihre Anzahl optimal, da leerstehende Höhlen als Schlafgelegenheiten sehr geschätzt sind.
Wie Nistkästen betreuen?
Die meisten Vögel bauen für jede Brut ein neues Nest und können altes Nistmaterial nicht entfernen. Deshalb werden besetzte Höhlen bald zu eng und müssen mindestens einmal jährlich gesäubert werden. Ausserdem sammeln sich in ausgedienten Nestern allerlei Parasiten an, die eine erhöhte Sterblichkeit unter Jungvögeln bewirken. Kästen mit alten Nestern werden wegen ihrer blutsaugenden Plagegeister ungern zum Übernachten aufgesucht. Wer eine Nisthöhle ständig unter Kontrolle hat, zum Beispiel im Garten, beseitigt das alte Nest am besten gleich nach dem Ausfliegen der Jungen. Ansonsten empfehlen sich als Reinigungstermine die Monate nach der Brutzeit, vor allem September und Oktober.
Nisthilfen für einheimische Vögel sind erhältlich in Garten-Centers oder direkt bei der Schweizerischen Vogelwarte, 6204 Sempach.
Eine Anleitung zum Selbstbau von Nistkästen für Höhlenbrüter ist gratis erhältlich bei der Schweizerischen Vogelwarte www.vogelwarte.ch oder beim Schweizer Vogelschutz SVS Birdlife Schweiz www.birdlife.ch . 
|