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Das Strausswachtel-Tagebuch von Tierpflegerin Gabriela Krauer




Stolze Eltern: Schon wenige Stunden nachdem die Küken geschlüpft sind, verlassen sie - von Hahn und Henne gut bewacht - das Hügelnest.

 

Kurzbericht unserer erfolgreichen Strausswachtel-Nachzucht


Ausgangslage:

 

Wir haben bewusst nichts an den klimatischen Bedingung in der Voliere Zürich geändert. Den Vögeln werden aber Heu, Laub und Reisig als Nistmaterial angeboten. Der Bau des hügelförmigen Nests, das die Strausswachteln gut geschützt hinter einem Steintrog platzieren, dauert mehrere Tage. Schliesslich beginnt die Henne mit der Eiablage. In den nächsten fünf Tagen legt sie täglich ein Ei und beginnt dann mit dem Brüten.

 

Nach 18 Tagen Brutzeit schlüpfen zwei Strausswachteln

 

Am Morgen des 21. Oktober fällt auf, dass der Hahn keinen Schritt mehr von der Seite der Henne weicht. Ich finde die erste Eierschale, will aber die Familie nicht stören. Bis zum späten Nachmittag sitzen die zwei Elterntiere eng aneinandergekuschelt im Nest. Ab und zu wird ein Jungtier sichtbar. Um 16 Uhr macht die ganze Familie bereits die ersten kleinen Spaziergänge.

 

Am Futterangebot habe ich nichts geändert. Die zwei Jungen werden von den Alten zum Aufpicken des Weichfutters aufgefordert. Und es wird fleissig geübt! Beide Elternteile umsorgen die Jungmannschaft. Während der Hahn seine Familie gegen die anderen Vögel und auch gegen mich verteidigt, sitzen die Kleinen geschützt unter dem Federkleid der Mutter.

 

2. Tag

 

Die Kleinen machen grosse Fortschritte. Die gesamte Familie ist immer in Bewegung. Die Nervosität des Hahns klingt ab. Er hat inzwischen gemerkt, dass ich seiner Familie nichts Böses will. Die Kleinen bewegen sich schon sehr selbstständig und die Eltern haben oft grosse Mühe, die Übersicht zu behalten. Zu beobachten sind auch kurze Rivalitätskämpfe zwischen den Geschwistern. Sie versuchen sich gegenseitig in die Füsse zu picken. Ich füttere lebende Buffalo-Würmer.

 

Wenn ich die Pflanzen giesse, begeben sich die Wachteln sofort an die feuchten Orte und beginnen interessiert zu scharren. Die Kleinen sind fit und ihre ersten Federn sind bereits sichtbar. Damit sie beschäftigt sind, bedecke ich den Boden mit Laub und Blumenerde.

 


15. Tag

 

Die Kleinen sind 15 Tage alt. Sie sind sehr unternehmungslustig und folgen den Alten auf Schritt und Tritt. Am liebsten wühlen sie an der Seite der Eltern in den Pflanzentrögen. Es ist erstaunlich, wie schnell sie den Weg dorthin gefunden haben.

 

Unter den Geschwistern herrscht immer noch grosse Rivalität. Ist es Futterneid oder sind das bereits Rangordnungskämpfe? Egal, denn noch verlaufen ihre kleinen Scharmützel eher spielerisch.

 

Zwischen ihren sehr aktiven Phasen legen die Jungvögel immer wieder kurze Pausen in ihrem alten Nest ein – streng bewacht von der Henne. Derweilen vertreibt sich der Hahn die Zeit mit dem Vertreiben eines zu neugierigen Zwergwachtelmännchens.

 

21. Tag

 

Die Kleinen sind schnell gewachsen und eifern ihren Eltern nach. Der Hahn umsorgt sie immer noch liebevoll. Heute bringt er ihnen einen Zophobas (das ist ein grosser Mehlwurm). Die Kleinen streiten heftig darum und das Grössere gewinnt. Es verschlingt den Zophobas in einem Stück.

 

Vermehrt beobachten wir, dass sich die Henne mit den Jungen nicht mehr in ihr altes Hügelnest zurückzieht, sondern sich an einem neuen Platz in einer offenen Nestmulde niederlässt.

 

Wenn wir den Altvögeln frisches Nistmaterial zur Verfügung stellen, beginnen sie sofort ein Nest zu bauen, das dann auch für die Nachtruhe oder den Mittagsschlaf genutzt wird.

 

Seit dem Schlüpfen haben wir die Strausswachteln aus Sicherheitsgründen von den viel grösseren Fächertauben getrennt. Heute wird die Trennwand abgebaut. Entgegen unseren Befürchtungen gibt es aber keine Schwierigkeiten. Die sonst tollpatschigen Fächertauben achten sehr darauf, mit ihren grossen Füssen nicht auf den Nachwuchs der Strausswachteln zu treten.

 

Die Jungen sind jetzt sehr selbständig. Sie schlafen zeitweise schon im Geäst oder auf den Lianen. Von den Altvögeln werden sie kaum noch geduldet. Kommen sie dem Hahn zu nahe,  verjagt er sie lautstark. Kein Wunder, schliesslich kann man schon erkennen, dass es sich bei den Jungvögeln um zwei Männchen handelt. Es wird also Zeit, für die Jungmannschaft einen neues Zuhause zu suchen.

 


 

Text: Gabriela Krauer / Fotos: Katharina Haefelin, Oliver Kehl