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Prachtfruchttaube (Ptilinopus superbus)





Trägt seinen Nahmen zu Recht: das Männchen der Prachtfruchttaube.

Steckbrief

Grösse: lachtauben-gross 
Gewicht: 100 bis 130 g 
Verbreitungsgebiet: Sulawesi, Sulu-Inseln; Molukken, Neuguinea und benachbarte Inseln; Salomonen und Ost-Australien 
Lebensraum: In Wäldern der Ebenen und Hügelregionen, an Waldrändern und bewaldeten Flussufern 
Nahrung: Früchte, Beeren, Sämereien, Insekten 



Haltung und Zucht der Prachtfruchttaube

Die Prachtfruchttaube (Ptilinopus superbus) ist etwa lachtaubengross und wohl die farbenprächtigste aller Fruchttauben. Sie ist eine Bewohnerin der Regenwälder Südostasiens und Ostaustraliens.

 

Der Rücken und eine grosse Partie hinter den Augen des Täubers schimmern goldgrün. Seine Scheitelkappe präsentiert er purpurrot, Hinter- und Seitenhals rostig-orangefarben. Die silbergraue Kehle geht in grau- und purpurfarbenes Brustgefieder über, die Unterbrust ist durch ein breites blauschwarzes Band vom weissfleckigen Unterbauch und den grünen Flanken getrennt. Der Schnabel ist grünlich, die Iris gelb und die Beine rot. Die Täubin ist vorwiegend dunkelgrün gefärbt, besitzt einen dunkelblauen Nackenfleck, jedoch kein Brustband.

 

Ein Zuhause für Fruchtfresser aus dem Regenwald

Das Verbreitungsgebiet der Prachtfruchttaube erstreckt sich von Sulawesi (Celebes) und den Molukken über Neuguinea und die Salomonen bis nach Ost-Australien. Hier bewohnt die Prachtfruchttaube vor allem tiefliegende Regenwälder, ist aber ebenso in Eukalyptus- und Akazienwäldern anzutreffen, vorausgesetzt, es gibt genug früchtetragende Bäume. Einheimische Baumfrüchte und -knospen bilden die Hauptnahrungsquelle dieser Taubenart.

Im Sommer 1993 trafen in der Voliere am Mythenquai in Zürich 1.1 Prachtfruchttauben ein. Nach gut überstandener Quarantäne zog das Taubenpaar in eine Gemeinschaftsvoliere. Diese ist zweigeteilt: Der Innenvoliere - 5,2 Meter lang, 2,8 Meter breit und 3 Meter hoch - ist eine Aussenvoliere angegliedert (5,2, 3,4, 3 Meter). Innen- wie Aussenvoliere verfügen über je eine Wasserstelle mit fliessendem Wasser, so angelegt, dass die Vögel jederzeit ein erfrischendes Bad geniessen können. Ein kleiner Wasserfall rieselt über einen flachen Stein ins Becken, sorgt ständig für frisches Trinkwasser und steigert gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit.

 

Klima und Vegetation - der Natur nachempfunden

Innen- wie Aussenvoliere sind speziell für Vogelarten aus dem Regenwald eingerichtet. Bei der Auswahl der Pflanzen gilt es, unter anderem auf deren Robustheit zu achten, denn die grüne Pracht soll ja nicht allzu schnell beschädigt sein. Die Bepflanzung ist so gestaltet, dass die Vögel darin Schutz finden und sich vor den Besuchern zurückziehen können. Mitunter muss man recht angestrengt hinsehen, um die Prachtfruchttauben - obwohl leuchtend bunt - im grünen Dickicht zu entdecken.

Durch ein Glasdach erhält die Innenanlage  Tageslicht von oben; in den düsteren Wintermonaten hilft Kunstlicht nach. Eine Bodenheizung sorgt in der kühlen Jahreszeit für die nötige Temperatur von 20 °C. Die Luftfeuchtigkeit wird bei 60 % gehalten. In den Sommermonaten geniessen die Tropenwald-Vögel den Regen in der Aussenanlage oder lassen sich durch die auf dem Gitterdach installierte Sprinkleranlage «beregnen».

Ihr Gehege teilten die beiden Prachtfruchttauben mit folgenden Arten: 1.1 Palawan-Pfaufasan, 1.1 Goldkopftrogon, 1.1 Halsbandkotinga, 1.1 Luzonica-Dolchstichtaube, 3.3 Rotfüssige Honigsauger, 1.1 Paradiestangare und 1.1 Papstfink.

 

Richtige Ernährung ist wichtig

Die Bewohner dieser Gemeinschaftsvoliere finden drei Futterstellen: zwei Tonteller auf Metallständern, zirka ein Meter ab Boden, und einen Futterteller am Boden.

Zur Auswahl stehen: Taubenfutter (handelsübliche Körnermischung), Keimfutter (gekeimt aus handelsüblicher Keimmischung); ein Weichfutter, bestehend aus: 300 g Sluis-Universal, 300 g Nafag Zoo-Vogelfutter, 100 g Cédé-Eifutter, 40 g Aleckwa-Insektenfutter, 10 g Vitakalk, 10 g Traubenzucker, 2 g Multivitamin (in Pulverform), 100 g Hüttenkäse, 100 g abgebrühtes Hackfleisch, 50 g Sultaninen (über Nacht eingeweicht und abgespült), 1-2 Karotten, geraffelt. Das Ganze wird gut gemischt und sofort verfüttert.

 

 


Früchte und Beeren nach Saison wie Äpfel, Birnen, Orangen, Melonen, Kiwis, frische Feigen (alles in kleine Würfel geschnitten); Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Holunder, Heidelbeeren, Kirschen- und Johannisbeeren. Für den Winter werden die Beeren eingefroren.

Nektarlösung (auf ein Liter Wasser): 100 g Cédé Lori, 20 g oder drei Teelöffel Blütenpollen, 25 g oder 1 Messlöffel ATC Total Nectar Food, 6 Tropfen Vitamin K1.

Früchte in gut gereiftem Zustand bilden die bevorzugte Nahrung unserer Prachtfruchttauben. Daneben schätzen die Vögel angekeimte Sojabohnen und die oben beschriebene Nektarlösung, von der jedoch nur kleine Mengen gereicht werden.

 

Ein «Mini-Täubchen» verlässt das Nest

Die angebrachten Körbchen von 30 cm Durchmesser beachteten die Tauben nicht; sie wählten ihren Nistplatz rund zwei Meter über dem Boden in einem Epipyhtenstamm. Ungeachtet dessen, dass dieser Volierebereich von anderen Vögeln regelmässig angeflogen wurde, liessen sie sich vom einmal gewählten Platz nicht mehr vertreiben.

Nistmaterial war zwar in Hülle und Fülle zu finden, doch das Taubenpaar baute nur ein dürftiges Nest aus dünnen, 10 bis 15 Zentimeter langen Zweigen. Obwohl die Voliere öffentlich zugänglich ist und meist reger Betrieb herrscht, liessen sich die Vögel von der Balz, Brut und Aufzucht nicht ablenken.

Am 14. April 1997 war es zum ersten Mal soweit: Wie es bei Fruchttauben die Regel ist, legte auch unser Weibchen nur ein einziges, in diesem Falle schneeweisses Ei. Tagsüber brütete vorwiegend der Täuber, ab zirka 16 Uhr übernahm die Täubin das Brutgeschäft. Keine Minute wurde das Gelege unbewacht gelassen, und deshalb war auch nicht zu befürchten, dass andere Volierebewohner ihm etwas anhaben könnten.

Nach 18 Tagen Brutzeit schlüpfte am 1. Mai der Jungvogel, der von beiden Eltern gehudert und gut gefüttert wurde. Als am 14. Mai ein – wie es uns schien – winzig kleines Täubchen das Nest verliess, wurde es weiterhin ohne Unterbruch von einem Elternteil betreut.

Die Flügel des Täubchens waren grün, die Schwungfedern hell umsäumt; Kopf und Kehle waren flaumig mit grauem Schimmer, der Bauch hatte eine beige Farbe. Das frisch ausgeflogene Täubchen war noch nicht einmal halb so gross wie seine Eltern. Nach weiteren zwei Wochen war der Jungvogel selbständig und hatte seine volle Grösse erreicht.

Damit war der Zeitpunkt der Trennung von den Altvögeln gekommen, denn der Täuber hatte begonnen, seinen Nachwuchs zu verfolgen. Eine zweite Brut im Juni und eine dritte im September des gleichen Jahres mit je einem weiteren Jungvogel verliefen ebenso erfolgreich.

 

Fazit

Allgemein sind Fruchttauben friedfertige Vögel und eignen sich deshalb gut zur Haltung in einer Gemeinschaftsvoliere. Sie sind von überaus ruhigem Wesen, verweilen während Stunden am selben Ort und verursachen aus diesem Grund längst nicht so unangenehme Verschmutzungen, wie ihnen nachgesagt wird. Wem sich die Gelegenheit bietet, Fruchttauben zu erwerben und wenn möglich zu züchten, dem kann ich diese Vögel aufrichtig empfehlen. Ihre ansprechende Art und ihre bunten Farben entzücken den Liebhaber immer wieder aufs Neue.

 

 


 

Text / Fotos: Herbert und Katharina Haefelin

Literatur: «Wildtauben», H.-S. Raethel, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart;

«Reader's Digest Complete Book of Australian Birds», Reader's Digest Services Pty Ltd, Sydney.