2008: Kunst und Theater in der Voliere

 | |  Mehr als «schön&gut»: Die Kabarettisten Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter feierten im November mit ihrer theatralen Performance «In der Voliere» gleich fünf Mal einen Riesenerfolg. Sowohl das kulturelle «Fachpublikum» als auch die zufälligen Voliere-Besucher reagierten begeistert und lobten das Initianten-Team (v.l.n.r.: Anna-Katharina Rickert, Szenograf Christoph Lang, Voliere-Chefin Elisabeth Kehl, Kunstprofessor Peter Radelfinger und Ralf Schlatter). Mit einem Mausklick auf das entsprechende Motiv können Sie die Bilder Vergrössern.
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Gefeierte Aufführungen «In der Voliere»
Sie sind der Meinung, es sei eine verrückte Idee, in der Voliere eines Tukans eine theatrale Performance zu geben? Die Kabarettisten Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter - bekannt als «schön&gut» - sind in diesem Punkt nicht nur anderer Meinung, sondern verwirklichen gekonnt, was anderen absurd erscheint.
Kein Wunder also, dass die fünf Aufführungen von «In der Voliere» im November ein Rundum-Erfolg wurde. Über 1000 Personen besuchten die Vorstellungen, darunter viele Gäste, die noch nie zuvor die Besucherhalle der Voliere Zürich/HelpBird-Vogelpflegestation betreten hatten. Bei allen herrschte Begeisterung.
Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter spielten nicht nur für, sondern auch mit dem Publikum, regten zu ständig neuen Überlegungen an und liessen viel Raum für eigene Interpretationen. Stets eingebunden in die faszinierende Performance: der per Beamer direkt auf die Volierenscheibe projizierte, provokative Zeichenzyklus «Endlich komm ich in den Zwitscherraum» des Zürcher Künstlers und Kunstprofessors Peter Radelfinger. Eine begeisternde Inszenierung, die dank dem Zürcher Szenograf Christoph Lang auch technisch perfekt gelungen ist.
«In der Voliere»
schön&gut – die zwei Kabarettisten Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter – befinden sich in einem Gehege der Zürcher Voliere, zusammen mit dem dort lebenden Tukan-Männchen. Auf die Glaswand des Geheges werden Peter Radelfingers Bilder aus dem Zyklus «Endlich komm ich in den Zwitscherraum» projiziert. Die Kabarettisten schauen hinaus. Die Zuschauer schauen hinein. Der Tukan schaut zu. Dazwischen sind Bilder. Der Käfig ist geschlossen. Der Eintritt ist frei. Der Rest bleibt offen.
Die Vorgeschichte: Nachdem schön&gut im März 2004 eine theatrale Performance zu Peter Radelfingers Zeichenzyklus «Joke» im Rahmen seiner Atelierausstellung aufgeführt hatten, mit einem für beide Seiten sehr anregenden und lange nachhallenden Ergebnis, wird nun eine weitere Folge dieser spartenübergreifenden Zusammenarbeit realisiert, diesmal zum Zeichenzyklus «Endlich komm ich in den Zwitscherraum».
«Endlich komm ich in den Zwitscherraum»
Der Zyklus von Peter Radelfinger umfasst ca. 300 Zeichnungen (mit Pinsel und Oelfarbe auf Plotterpapier in verschiedenen Formaten). Ausgehend vom Sachverhalt der Vögel und ihren Behältnissen (Volieren und Nistkästen) entstanden Fragmente einer zeichnerischen Denkbewegung, die sich mit Beziehungs- und Kommunikationsaspekten auseinandersetzt, mit Verstrickungen in Käfig- und Kastenstrukturen und mit der Freiheit des «Zwitscherraumes». Die Voliere als Ort des Schutzes und der Geborgenheit, das Häuschen und der Käfig als Gefängnis und Domestizierungsort. Gefangen im Netz, im System, im Muster. Wie weit trägt der Vogel seinen Käfig mit sich? Ist der Vogel im Käfig? Ist der Käfig im Vogel?
Ausgehend von diesen Zeichnungen wagen sich die zwei Kabarettisten von schön&gut (Preisträger des «Salzburger Stier» 2004) in ein Gehege der Voliere, mit dem dort lebenden Tukan-Männchen. Und plötzlich stellen sich Fragen: Wer schaut wem zu? Die Vögel den Menschen oder umgekehrt? Der Schausteller als komischer Vogel, als Exot im gesellschaftlichen Käfig, oder als närrischer Beobachter des Publikums? Interessant wird dabei die Konfrontation mit einem kulturellen «Fachpublikum» einerseits, zufälligen Passanten und den Vogelliebhabern andererseits, denn die Vorstellungen finden zu den normalen Öffnungszeiten der Voliere statt und sind frei zugänglich.
Parallel dazu hat Peter Radelfinger zwei Motive der Reihe als Lithographie in limitierter Auflage veröffentlicht. Der Reinerlös der Edition geht an die Voliere Zürich. Für die Inszenierung der kombinierten Aufführung / Ausstellung ist der Zürcher Szenograf Christoph Lang verantwortlich, für die Grafik der Plakate und Einladungen Jonas Vögeli.
Kurzbiografien der Beteiligten
Peter Radelfinger > www.radelfinger.com
Peter Radelfinger ist Künstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Seit 1990 stellt er regelmässig im In- und Ausland aus. Der Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Zeichnung. Weitreichende zeichnerische Recherchen werden durch Fremdbilder und Texte ergänzt. Sein künstlerisches Schaffen ist in mehreren Büchern und auf seiner Website www.radelfinger.com dokumentiert. Peter Radelfinger lebt mit Frau und Sohn in Zürich.
schön&gut > www.schoenundgut.ch
Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter leben als freie Kabarettisten in Zürich. Seit dem Jahr 2000 beleben sie unter dem Namen «schön&gut» die Schweizer Kabarett- und Kleinkunstszene. Mit ihrem ersten Bühnenprogramm «Eine Liebesgeschichte» gewannen sie 2004 auf Anhieb den «Salzburger Stier», eine der wichtigsten Auszeichnungen auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum. 2006 hatte ihr zweites Programm «Das Kamel im Kreisel» Premiere. Ihr Stil ist eine delikate Mischung aus Sprachspiel, fantasievollen Geschichten und geistreicher politischer und gesellschaftlicher Satire, dargestellt von ihren Bühnenfiguren Herr Schön und Frau Gut. Für die Arbeit mit Peter Radelfinger, die zweite nach der Performance zu «Joke» von 2004, lassen sie diese Figuren aber für einmal im Kostümkoffer und loten neue Gebiete aus in theatralischer und performativer Ausdrucksweise.
Christoph Lang > www.value-konzepte.ch
Christoph Lang ist Künstler und Szenograf. Er betreibt zusammen mit Stephan Meylan das Kunstlabel «value». Vor kurzem erschien die Publikation «Kunst Stafette – Künstler laden Künstler ein», das ein kollaboratives Projekt von «value» dokumentiert. Christoph Lang interessiert sich seit seinem Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich für Videoinstallationen, begehbare Rauminszenierungen und für Fotografie. 
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