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Hände weg von jungen Vögeln




Junge Kohlmeisen: Erst wenn die Vögel komplett befiedert sind, haben sie bei Handaufzucht eine wirkliche Überlebenschance.

Unternimmt Mutter Ente mit ihrem zahlreichen Nachwuchs den ersten Spaziergang, ist das ein anstrengendes Unterfangen. Nicht nur Entenmütter wissen ein Lied davon zu singen, wie schwierig es ist, eine quirlige Kinderschar beisammen zu halten. Schnell hat ein übermütiges Entenküken seine Familie aus den Augen verloren. Das piepsende «herzigi Äntli» aus lauter Mitleid aber gleich mitzunehmen wäre ein grober Fehler. Das Kleine ruft nämlich nach seiner Mutter, die ihre übrigen Jungen nicht allein lassen will, den Rufkontakt mit dem «Verlorenen» aber aufrechterhält, und die Familie sich in der Regel wieder findet.

 

Aus dem Nest gefallen?

Ähnlich verhalten sich junge Singvögel. Oft sitzen sie scheinbar hilflos auf dem Boden und betteln um Futter, sind deshalb aber keineswegs «aus dem Nest gefallen». Manche von ihnen verlassen das Nest, bevor sie voll flugfähig sind (dazu gehören Amseln, Rotkehlchen, Rotschwänzchen). Trifft man solch einen Jungvogel in einer gefährlichen Situation an (zum Beispiel am Strassenrand), setzt man ihn am besten in den nächsten Busch. Seine Eltern werden ihm Futter bringen, sobald sie sich unbeobachtet fühlen.

 


Handaufzucht problematisch

Erst wenn dem Jungvogel unmittelbare Gefahr droht oder die Altvögel gar nicht mehr zurückkehren, ist es angebracht, ihn mit nach Hause zu nehmen oder, noch besser, zur nächsten Vogelpflegestation zu bringen. Wirkliche Überlebenschancen haben meist nur Jungvögel, die bereits vollständig befiedert sind. Jungvögel ohne oder mit noch sehr lückenhaftem Gefieder sind oft schon stark unterkühlt und ihre Lebensdauer sehr begrenzt.

Junge Vögel aufzuziehen, ist problematisch und der Erfolg umstritten, denn von Menschen aufgezogene Jungvögel können sich nach ihrer Freilassung weniger gut der Umwelt anpassen als ihre in der Natur aufgewachsenen Artgenossen. Deshalb gilt – das rät auch die Vogelwarte Sempach seit langem –: «Hände weg von jungen Vögeln!»


 

Text / Fotos: Katharina Haefelin