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Wellensittiche – Lebenskünstler aus Australien
Die Heimat der farbenprächtigen Mini-Papageien ist Australien. Noch heute bietet sich dem Australien-Reisenden das gleiche Bild wie vor über 150 Jahren dem britischen Naturforscher Sir John Gould: «Hat der Regen die weiten Wüstengebiete in blühende Graslandschaften verwandelt, erscheinen die Wellensittiche zu Tausenden und erfüllen das kurz zuvor noch öde Steppengebiet mit ihrem Gezwitscher.»
Ihre erste Reise nach Europa traten Wellensittiche 1840 an. Sir John Gould brachte damals ein Pärchen mit nach England. Im Handumdrehen eroberten die Vögel die Herzen der Briten und anderer Europäer. Schon bald setzte ein eigentlicher «Run» auf die Sittiche ein, so dass die australische Regierung 1864 ein Ausfuhrverbot für diese Vogelart erliess.
Doch bereits um 1855 waren die ersten Wellensittiche in Menschenobhut nachgezüchtet worden. Deshalb stammen alle Wellensittiche, die man heute erwirbt, aus Nachzuchten.
Wie verhalten sich Wellensittiche?
Wellensittiche sind ausgesprochen soziale Vögel; sie verbringen ihr ganzes Leben in Gemeinschaft mit Artgenossen, sei es im Brutgebiet oder auf der Suche nach neuen Nahrungsgründen in ihrer Heimat Australien. Sie sollten deshalb auch in unserer Obhut nach Möglichkeit nicht einzeln gehalten werden!
In ihrem angeborenen Sozialverhalten liegt auch der Grund, weshalb einzeln gehaltene Wellensittiche ihren Betreuern gegenüber so zutraulich werden; um so mehr leiden sie dann, wenn sie für längere Zeit isoliert bleiben. Wer sich entschliesst, einen einzelnen Vogel zu halten, muss genügend Zeit aufbringen können, um sich mit dem Vogel zu beschäftigen und mit ihm zu sprechen. Sonst kann es leicht geschehen, dass ein Wellensittich mit Federrupfen oder anderen Verhaltensstörungen auf die aufgezwungene Einsamkeit reagiert.
Den Menschen, denen sie ihre Zuneigung entgegenbringen, bleiben Wellensittiche ihr Leben lang treu. Das ändert sich auch nicht, wenn sie paar- oder gruppenweise gehalten werden. Bewohnen mindestens zwei Wellensittiche gemeinsam einen Käfig, dürfen sie getrost alleine gelassen werden; sie unterhalten sich gegenseitig.
Das neue Zuhause
Welcher Käfig ist der richtige? Wellensittich-Käfige gibt es in verschiedenen Grössen, Farben und Formen und in ganz unterschiedlichen Preisklassen – je nach Geschmack und Geldbeutel. In geräumigen Käfigen, breiter als hoch, oder noch besser in eigentlichen Flugvolieren, können Wellensittiche ihr angeborenes munteres Wesen und ihre Lebhaftigkeit voll entfalten.
Nachstehende Grundbedingungen muss ein Käfig jedoch erfüllen:
- Er kann nicht gross genug sein;
- Die Gitterstäbe müssen quer verlaufen, da Wellensittiche gerne klettern;
- Er soll eine Bodenschale besitzen, damit er leicht zu reinigen ist;
- Als Sitzstangen und zum Benagen eignen sich Zweige von Obst- und anderen Laubbäumen (Buche, Apfel, Hasel oder Kirsche) am besten;
- Futter- und Trinkgefässe sind als Zubehör meist in der Käfigausstattung inbegriffen;
- Ein Badehäuschen sollte ebenfalls nicht fehlen.
Vorsichtig eingewöhnen
Bevor die neuen Hausgenossen eintreffen, sollte das neue Zuhause vorbereitet sein und der Käfig am endgültigen Standort stehen. Nachträgliches Umstellen, und sei es nur, um einen noch besseren Standort zu finden, nehmen uns die Wellensittiche – insbesondere in der Eingewöhnungsphase – übel.

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Ein Wellensittich ist nicht vom ersten Tag an handzahm, es braucht dazu viel Geduld. Erst wenn so ein kleiner Kerl die Scheu vor dem Ungewohnten verloren hat, kann man behutsam beginnen, den Kontakt mit der Hand herzustellen. Und so geht's: Vorsichtig mit der Hand eine frische Kolbenhirse ins Vogelheim halten, denn darauf «fliegen» Wellensittiche. Beginnt der Vogel ängstlich zu flattern, die Übung abbrechen und am folgenden Tag einen neuen Versuch starten. Dann wird der Wellensittich schon wesentlich gelassener auf die Hand reagieren. Wer dieses Spiel täglich zur selben Zeit behutsam und mit ruhigen Worten wiederholt, wird bald belohnt: der Wellensittich hüpft auf die Hand.
Haben sich unsere Wellensittiche erst einmal an ihre neue Behausung gewöhnt, kann man ihnen auch Freiflug im Zimmer gewähren. Aber aufgepasst: Vorher Fenster schliessen!
Auf die richtige Pflege kommt es an!
Einmal pro Tag Futter- und Wassernapf mit heissem Wasser und Bürstchen gründlich reinigen. Einmal im Monat kommt das Vogelheim samt Sitzstangen in die Wanne, wird mit heissem Wasser gründlich gebürstet und anschliessend abgespült.
Zweige, Äste und Picksteine erlauben es den Vögeln, ihrem Nagebedürfnis nachzukommen und ihre Krallen abzuwetzen. Trotz aller Vorsicht neigen vor allem ältere Sittiche mitunter zu stark wachsenden Zehennägeln und wucherndem Oberschnabel. Werden diese Hornteile nicht auf ein normales Mass zurückgeschnitten, wird der Vogel beim Klettern und bei der Nahrungsaufnahme stark behindert. Ungeübte überlassen das Krallen- und Schnabelschneiden am besten dem Tierarzt, der Tierärztin. Nach Absprache übernimmt auch das Personal der Voliere diese Dienste (bitte bei der Tierpflegerin melden).
Richtig füttern ist wichtig
Wild lebende Wellensittiche ernähren sich als Steppenbewohner in erster Linie von verschiedenen Grassamen aller Reifestadien. Demnach ist auch das wichtigste Grundfutter für unsere Stubenvögel eine Körnermischung aus verschiedenen Sämereien.
Grundfutter: Wellensittich-Körnermischungen bieten Zoofachhandel und Grossverteiler an (Verfalldatum beachten). Diese Fertigfuttermischungen enthalten verschiedene Hirsesorten. Daneben mögen Wellensittiche Kolbenhirse über alles. Sie wird säckchenweise, in Kolben von zehn bis dreissig Zentimetern Länge, angeboten.
Zusatzfutter: Das handelsübliche Futter und ab und zu ein Blatt Salat entsprechen dem Nährstoffbedarf von Sittichen nur ungenügend. (Ungespritzter) Salat – je nach Jahreszeit – ist zwar immer willkommen, sollte jedoch nur in kleinen Mengen und nie nass verfüttert werden. Weitere Abwechslung im Speiseplan bieten Rüebli- und Gurkenscheiben, Apfel-, Birnen- oder Feigenstücke. Als Leckerbissen schätzen Wellensittiche auch frische Baumzweige zum Nagen.
Mineralien: Sandkörner als «Mahlsteine» zur Aufbereitung der Nahrung, Muschelgrit und Kalkstein enthalten die für Knochen- und Gefiederaufbau benötigten Kalk- und Mineralstoffe.
Wellensittiche selber züchten
Wellensittiche sind sehr fortpflanzungsfreudig, und in der Regel genügt es, einen handelsüblichen Wellensittich-Nistkasten vor die Käfigtür zu hängen. Die Schwierigkeiten beginnen meist erst, wenn die muntere Jungenschar auf der Stange sitzt, denn unweigerlich zu diesem Zeitpunkt stellt sich die Frage: Was nun? Wohin mit dem Nachwuchs?
Wellensittiche zur Zucht anzusetzen, will deshalb gut überlegt sein. Ein gutes Plätzchen für den zu erwartenden Nachwuchs sollte am besten im voraus gefunden sein. Wer von vornherein auf Nachwuchs verzichten will, hält am besten nur gleichgeschlechtliche Tiere. Erkennungsmerkmale: Männchen besitzen eine blaue, Weibchen ein fleischfarbene Nasenhaut.

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