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Das Wichtigste über Kanarienvögel




Der Kanarienvogel ist der weltweit am häufigsten gehaltene Vogel.

Woher stammt der Kanarienvogel?

 

Schon seit über 500 Jahren wird der Kanarienvogel in Europa gezüchtet und hat sich in den Niederlanden, England, Deutschland und in der Schweiz zu einem der beliebtesten Heimtiere entwickelt. Auch heute noch ist er weltweit der am häufigsten im Käfig gehaltene Vogel überhaupt.

 

Anders als der Wellensittich lebt der Kanarienvogel in seiner Heimat als Einzelgänger und kann deshalb ohne weiteres als Einzelvogel gehalten werden. Trotzdem kann auch der Kanarienvogel nicht ganz auf menschliche Zuwendung verzichten, er würde sonst verkümmern.

 

Sein «Stammvater», der Kanarengirlitz, ist auf Madeira, den Azoren und den Kanarischen Inseln beheimatet. Seeleute brachten den kleinen grün-gelben Vogel nach der Eroberung der Kanarischen Inseln durch die Spanier vor einem halben Jahrtausend mit nach Europa. Der Überlieferung nach war es der melodische Gesang des Kanarengirlitz, dem das besondere Interesse galt und der zum Beginn der Kanarienzucht führte.

 

Farben, Form, Gesang

 

Zuchtmutationen im Laufe der Jahre liessen die verschiedensten Farbschattierungen zwischen gelb und rot, einfarbig oder gescheckt, entstehen. Auch der Gesang des Vogels wurde herausgezüchtet: Seit rund 100 Jahren ist der sog. Harzer Roller als Sänger mit wohlklingender Stimme beliebt.

 

Züchter unterscheiden zwischen drei verschiedenen Rassegruppen: Farben-, Gestalts- und Gesangskanarien. Zu der Gruppe der Gestaltskanarien – auch Positurkanarien genannt – zählen alle Rassen mit charakteristischen Gefiedermerkmalen wie Häubchen, Perücke, gelockte Rumpffedern oder sehr schlanke Vögel mit typisch aufgerichteter Körperhaltung. Eine weitere Gruppe sind die Mischlingskanarien aus Kreuzungen mit einheimischen Finkenarten.

Die Vögel hochgezüchteter Rassen bleiben vielfach in Züchterhänden und gelangen weniger in Tierhandlungen. In Zoofachhandlungen zu finden ist in erster Linie der schlichte, wohlproportionierte meist gelbe Kanarienvogel. Wichtig zu wissen ist auch: Nur die Männchen singen!

 

Welcher Käfig ist der richtige?

 

Bevor Sie einen Käfig anschaffen, denken Sie daran: je grösser, desto besser. Entschliessen Sie sich für den Kauf eines Metallkäfigs, sollte dieser rechteckig sein. 50 Zentimeter Länge, 30 Zentimeter Breite und 40 Zentimeter Höhe gelten für einen einzelnen Vogel als unterste Grenze. Für ein Vogelpaar liegt diese bei 80 Zentimeter Länge, 40 Zentimetern Breite und einer Höhe von 50 Zentimetern.

 

Achtung: Direkte Sonnenbestrahlung, sowohl hinter der Fensterscheibe als auch auf dem Balkon oder am geöffneten Fenster, ist nur dann ungefährlich, wenn der Vogel in den Schatten ausweichen kann. Die einfachste Methode, einen Schattenplatz zu schaffen, ist das Abdecken des halben Käfigs mit einem Tuch, das mit Wäscheklammern an den Käfigstäben befestigt wird. Noch etwas: Zugluft ist schädlich!

 

Als Sitzstangen eignen sich Zweige von Buche, Apfel, Hasel oder Kirsche. Ist der Käfig mit den im Zoofachhandel erhältlichen Holzstangen ausgestaltet, empfiehlt es sich, zwei auf gleicher, mittlerer Höhe anzubringen und eine dritte in der Mitte des Käfig und etwas höher zu befestigen. Wichtig: Die Sitzstangen müssen so dick sein, dass der Vogel sie mit seinen Krallen nie ganz umspannen kann!

 


Wie fühlen sich Kanarienvögel wohl?

 

Selbstverständlich ist das tägliche frische Trinkwasser. Plastiknäpfe für Wasser – wie auch für das Futter – sind so anzubringen, dass sie nicht durch Kot verschmutzt werden können. Kanarienvögel lieben ihr tägliches Bad. Am besten hängt man ein geräumiges Badehäuschen vor die geöffnete Käfigtür.

Futter- und Wassernäpfe sowie das Badehäuschen sollten täglich gereinigt werden, Käfiggehäuse und Sitzstangen einmal wöchentlich. Mindestens einmal monatlich sollten auch Sitzstangen und Äste gründlich gereinigt werden.

 

Der Vogel wechselt nicht nur alljährlich sein Federkleid (Mauser), sondern auch die Hornschuppen an Beinen und Füssen. Bei ältern Tieren, und vor allem bei mangelnder Badegelegenheit, türmen sich alte Bein- und Fussschuppen übereinander. Abhilfe schafft ein warmes Fussbad und das anschliessende das Einreiben einer Fettcrème oder einer Kalkbeinsalbe für Kleinvögel.

 

Kanarienvögel gesund ernähren

 

Der Kanarienvogel zählt zwar zu den Körnerfressern, ist aber wie viele andere Käfigvögel zu einem «Gemischtköstler» geworden.

 

Grundfutter: Es besteht aus einer Körnermischung, die sich aus Negersaat, Kanariensaat, Hafer, Leinsamen und verschiedenen Hirsearten zusammensetzt. Ein halber Napf pro Tag und Vogel reicht in der Regel aus.

Zusatzfutter: Darunter versteht man verschiedene Grünfutter, Obst und Gemüse. Gerne nehmen die Vögel Äpfel (süsse Sorten), Rüeblistückchen, Petersilie, (ungespritzten) Salat sowie halbreife Grassamen am Halm. Vor dem Verfüttern alles gut waschen und abtrocknen.

 

Gekeimtes Futter: Ein Teelöffel voll Grundfutter mit Wasser bedecken und 24 Stunden bei Zimmertemperatur quellen lassen; danach in ein Sieb giessen, gut abspülen und abtropfen lassen. Anschliessend in lose abgedecktem Gefäss keimen lassen. Man reicht diese gekeimten Sämereien ein- bis zweimal wöchentlich.

 

Familienplanung und Kinderstube

 

Die Brutzeit der Kanarienvögel beginnt im Frühjahr. Ein Pärchen wird erst in getrennten Käfigen, jedoch in Sicht- und Hörweite, aneinander gewöhnt. Beginnt das Männchen zu «balzen» und wird das Weibchen unruhig, ist es Zeit, das Paar zusammenzusetzen.

 

Ein Plastik- oder Drahtgitterkörbchen dient dem Weibchen als Nestunterlage, das eigentliche Nest wird es selber bauen. Das Nistmaterial sollte möglichst vielseitig sein: Feine Gräser, Wurzelwerk von Gras und Moos und/oder kurz geschnittene Leinwandfäden (Scharpie).

 

13 bis 14 Tage dauert die Brutzeit bei Kanarienvögeln. Nach dem Schlupf muss ein Ei- oder Aufzuchtfutter angeboten werden, ab dem fünften Lebenstag kommt Grünzeug dazu. Nach 15 bis 17 Tagen sind die kleinen Kanarien flügge; bis sie selbständig Futter aufnehmen, wird es aber noch eine Weile dauern.

 


 

Text / Fotos: Herbert und Katharina Haefelin