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Balistar oder Rotschild's Maina (Leucopsar rothschildi)






Der Balistar gehört zu den gefährdetsten Vögeln der Welt. Um eine noch bessere Nachzucht zu gewährleisten, hat die Voliere Zürich ihre Balistare derzeit im Tropiquarium de Servion untergebracht.

Steckbrief

Grösse: 21 bis 23 cm 
Verbreitungsgebiet: Nordwestspitze der Insel Bali 
Lebensraum: Trockene, lichte Wälder mit dichtem Unterwuchs und Gräsern 
Nahrung: Vorwiegend Insekten und andere Wirbellose, aber auch Obst und mitunter kleine Wirbeltiere 



Der Clown aus Bali darf nicht sterben

Sein Vorkommen ist auf die Insel Bali beschränkt, in freier Natur ist er vom unmittelbaren Aussterben bedroht: der Balistar oder Rothschild's Maina. Über 1000 Individuen leben in menschlicher Obhut, die Freilandpopulation auf Bali wird noch auf knapp 20 Exemplare geschätzt. Die Voliere-Gesellschaft Zürich hat sich dem Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm (EEP) für diese Art angeschlossen und wartet mit einer erfolgreichen Zucht auf.

 

Schneeweiss – mit schwarzen Flügel- und Schwanzspitzen – ist sein Gefieder, blau die Haut, von der eine nackte Partie die Augen umschliesst: Der Balistar oder Rothschild's Maina (Leucopsar rothschildi) ist eine Vogelart, die man ganz einfach mag. Nach Starenart ist immer etwas los: Da werden Flugrunden durchs Gehege gedreht, nach Futter gesucht oder paarweise zusammen-gesessen und «geschwatzt». Bei der Balz hüpft der Hahn neben seinem Weibchen auf und ab und und schüttelt dabei possenhaft seinen Federschopf im Nacken.

 

Von der Ausrottung bedroht

Der Balistar ist weltweit eine der meist bedrohten Vogelarten. Ein nur noch wenige Hektar grosses Gebiet im Norden der indonesischen Insel Bali – der Bali Barat Nationalpark – beherbergt die letzten frei lebenden Balistare. Die gesamte Population beträgt nach neuesten Zählungen kaum mehr als 20 Exemplare. Der Grund für den dramatischen Rückgang dieser Vogelart liegt vor allem beim Menschen: Bevölkerungsdruck, Landwirtschaft, Tourismus und in erster Linie Wilderei.

Bis heute ist es den indonesischen Behörden nicht gelungen, die Wilderei einzudämmen. Dies, obwohl der Balistar den schärfsten Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzabkommens untersteht, das den internationalen Handel mit gefährdeten Tierarten und Pflanzen regelt. Seiner Seltenheit wegen ist dieser Vogel zum Prestigeobjekt geworden, sein Wert auf dem Schwarzmarkt ist auf rund 2000 US-$ gestiegen. Bei dieser für Indonesien immensen Summe vermögen selbst hohe Geld- und Gefängnisstrafen Wilddiebe nicht von ihrem Tun im Schutzgebiet abzuhalten.

 

Am Zuchtprogramm teilnehmen

Dank ihrer Anpassungsfähigkeit haben zahlreiche Balistare in Menschenobhut überlebt, weltweit dürften es über 1000 Vögel sein. In Europa waren 1997 105 Institutionen (Zoos, Vogelparks und Privathalter) dem Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramm (EEP) angeschlossen. Dieses stellt Nachzuchttiere für die Ausbürgerungsstation im Bali Barat Nationalpark zur Verfügung.

Nachgezüchtete Vögel auszubürgern ist für den Balistar die einzige Überlebensmöglichkeit. Wissenschafter gehen davon aus, dass für den langfristigen Erhalt des Balistars neben den 1000 Tieren in menschlicher Obhut eine Population von mindestens 100 Tieren im Freiland erreicht werden muss.

 

 


In der Voliere am Mythenquai sind seit 1997 über 30 Jungvögel aufgezogen worden. Sie wurden in der Schweiz, meist paarweise, an die Volieren in Winterthur, St. Gallen und Zug und an einzelne private Züchter weitergegeben und haben in der Zwischenzeit selbst für Nachwuchs gesorgt. Auf Anweisung des EEP-Koordinators ist einer der ersten Jungvögel in den Zoo von Aalborg in Dänemark gereist.

Balistare bevorzugen Naturbruthöhlen von zirka 40 Zentimetern Höhe und einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern aussen und 20 Zentimetern innen. Als Nistmaterial werden Stroh und dünne Zweige, auf 10 bis 15 Zentimeter Länge zugeschnitten, angenommen, etwa von Birken, Lärchen oder Erikastauden.

Das Gelege umfasst zwei bis vier Eier, das von beiden Partnern rund 14 Tage bebrütet wird. Nach dem Schlüpfen versorgen beide Eltern die Jungvögel. In den ersten Tagen werden zusätzlich mehrmals täglich frisch gehäutete Mehlkäferlarven und kleine Heimchen verfüttert.

Beringt wird am 6. Lebenstag mit Ringen von 5,5 mm Durchmesser. Nach 26 bis 28 Tagen verlassen die Jungvögel die Bruthöhle und werden von den Altvögeln noch zehn Tage weitergefüttert.

Vorsicht ist geboten, wenn sich zu diesem Zeitpunkt bei den Altvögeln wieder Brutstimmung einstellt. Dann kommt es vor, dass sie die noch nicht ganz selbständigen Jungen vernachlässigen oder gar angreifen. Da hilft nur eins: Jungvögel separieren und von Hand zufüttern.

In unserer Voliere sind der geglückten Zucht mehrere Fehlschläge vorausgegangen. Erst, als die Vögel mehrmals pro Tag frisches Lebendfutter erhielten, zogen sie die Jungen auch wirklich auf. Zuvor hatten sie wohl gebrütet, doch die Jungvögel nach der ersten Woche verhungern lassen.

 

Feinschmecker lieben Abwechslung

Die Volierebewohner, und mit ihnen alle Balistare, erhalten ein Weich-futtergemisch, bestehend aus Universal-, Insekten- und Eifutter, Hüttenkäse, geraffeltem Karotten, eingeweichten Sultaninen, Hackfleisch und Mineral-stoffen. Darüber hinaus stehen – je nach Jahreszeit – Früchte und Beeren wie Äpfel, Birnen, Bananen, Kiwi, Melonen, Kirschen, Heidel- und Brombeeren – in kleine Würfel geschnitten – auf dem Speisezettel. Als besondere Lecker-bissen bereichern Mehlkäferlarven, Zophobas (Larven des Grossen Schwarz-käfers) und Heimchen den Menüplan.

Balistare lassen sich gut mit anderen Vogelarten vergesellschaften. Bedingung für eine erfolgreiche Zucht ist unter anderem, dass genügend Bruthöhlen zur Auswahl stehen und kein Sichtkontakt zu Artgenossen besteht. Jungvögel können bis zur Paarbildung problemlos zusammen gehalten werden. Von den Besuchern unserer (öffentlichen) Voliere lassen sich die Vögel im Übrigen nicht stören.

Diese herrlichen Exoten verdienen es, dass auch Liebhaber ihnen die nötige Beachtung schenken und nach Möglichkeit zu züchten versuchen. Nur noch so können Balistare vor dem völligen Aussterben bewahrt werden.

Der Balistar ist nahezu ausgerottet. Nur Zucht und Auswilderung können den Restbestand in Bali anwachsen lassen und die Vögel vor dem Aussterben retten.

 

 Erhaltungszucht der Voliere...


 

Text / Fotos: Herbert und Katharina Haefelin